Wie können Beschäftigte Pflegeverantwortung und Beruf besser vereinbaren? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Partnertages des Netzwerks „Unternehmen für Familien“, welcher bei der TIROLER Versicherung in Innsbruck unter dem Titel „Pflege & Beruf vereinbaren – Lösungen aus der Praxis“ stattfand. Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Praxis diskutierten gemeinsam mit Partnerunternehmen konkrete Lösungsansätze und erfolgreiche Beispiele aus der Unternehmenspraxis.
Immer mehr Erwerbstätige übernehmen Pflegeaufgaben für Angehörige – eine Entwicklung, die auch Unternehmen zunehmend fordert. „Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ist eine der großen sozialen Fragen unserer Zeit. Es braucht engagierte Unternehmen, die Verantwortung übernehmen, und Rahmenbedingungen, die es Beschäftigten ermöglichen, für ihre Angehörigen da zu sein, ohne ihre berufliche Existenz zu gefährden“, betonte Claudia Bauer, Bundesministerin für Europa, Integration und Familie.
Auch die Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Tirol, Martina Entner, unterstrich die Rolle der Betriebe: „Unternehmen sind ein wichtiger Teil der Lösung: Mit Verständnis, Flexibilität und einer offenen Gesprächskultur können sie Mitarbeitende in herausfordernden Lebensphasen wirksam entlasten und gleichzeitig einen wertvollen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten.“
Einblicke aus der Praxis lieferten unter anderem Franz Mair, Vorstandsvorsitzender der TIROLER Versicherung, sowie Dagmar Reuter, Auditorin der Zertifizierung berufundfamilie. Sie zeigten auf, wie flexible Arbeitszeitmodelle, Informationsangebote oder interne Unterstützungsstrukturen konkret umgesetzt werden können. Franz Mair betonte: „Menschen sind der wichtigste Erfolgsfaktor unseres Unternehmens – deshalb schaffen wir Rahmenbedingungen, die es unseren Mitarbeitenden auch bei Pflegeverantwortung ermöglichen, ihre Arbeit und ihr Privatleben gut miteinander zu verbinden.“
Dagmar Reuter, Auditorin der Zertifizierung berufundfamilie verwies auf die Bedeutung einer offenen Unternehmenskultur: „Viele Unternehmen haben bereits wirksame Maßnahmen zur Unterstützung pflegender Angehöriger umgesetzt. Entscheidend ist jedoch, das Thema zu enttabuisieren, zuzuhören und nachhaltige Strukturen zu schaffen, die Beschäftigte in herausfordernden Lebenssituationen tatsächlich entlasten.“
Für einen besonders persönlichen und eindrücklichen Zugang sorgte der Impulsvortrag von Michael Urschitz, diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Intensivpfleger und Gastdozent an der FH Krems. Er berichtete aus seinem Berufsalltag und machte auf die Herausforderungen pflegender Angehöriger aufmerksam: „Pflege ist oft eine unsichtbare Realität. Viele Betroffene sprechen aus Sorge, als weniger belastbar wahrgenommen zu werden, nicht über ihre Situation. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen ein Umfeld schaffen, in dem Pflegeverantwortung offen angesprochen werden kann.“ Urschitz verwies dabei auf die zunehmende Bedeutung des Themas für den Arbeitsmarkt und die Notwendigkeit, Pflege stärker in den Fokus betrieblicher Vereinbarkeitsmaßnahmen zu rücken.
Der Partnertag machte deutlich: Erfolgreiche Vereinbarkeit von Pflege und Beruf braucht sowohl strukturelle Maßnahmen als auch eine offene Unternehmenskultur. Als zentrale Hebel wurden Flexibilität, Enttabuisierung und der Ausbau unterstützender Angebote identifiziert.
Passend zum Veranstaltungsthema steht seit März 2026 der neue Praxisleitfaden „Pflege und Beruf vereinbaren – Orientierung für Arbeitgeber, Unterstützung für Mitarbeitende“ zur Verfügung.