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Pflege & Beruf im Fokus: Rückblick auf den Partnertag bei der Energie AG Oberösterreich

Wie Unternehmen ihre Beschäftigten bei der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf unterstützen können, stand im Mittelpunkt des Partnertags, der am 9. April 2026 bei der Energie AG Oberösterreich in Linz stattfand. Claudia Bauer, Bundesministerin für Europa, Integration und Familie im Bundeskanzleramt, eröffnete die Veranstaltung und betonte die gesellschaftliche Relevanz des Themas.

 

Im anschließenden Podiumsgespräch diskutierten:

  • Sandra Brandstetter, Geschäftsführerin Personalmanagement, Energie AG
  • Julia Stierberger, Leiterin Personal & Unternehmenskultur, Kreuzschwestern Europa Mitte GmbH
  • Nicole Traxler, Managing Director, Alles Clara gGmbH
  • Moderation: Elisabeth Wenzl, Geschäftsführung, Familie & Beruf Management GmbH

 

Wachsende Bedeutung eines oft unterschätzten Themas

Bereits in der Begrüßung durch Dr. Leonhard Schitter, Vorstandsvorsitzender der Energie AG Oberösterreich, wurde deutlich, dass die gleichzeitige Bewältigung von Pflegeverantwortung und Beruf für viele Beschäftigte eine große Herausforderung darstellt. Seitens der Energie AG wurde darauf hingewiesen, dass Unternehmen zunehmend gefordert seien, unterstützende Maßnahmen zu setzen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die Mitarbeitenden Entlastung bieten. Gleichzeitig wurde betont, wie wichtig es sei, Beschäftigte in herausfordernden Lebensphasen im Unternehmen zu halten und ihnen Perspektiven zur weiteren Entfaltung zu bieten.

 

In ihrem Impuls unterstrich Bundesministerin Claudia Bauer die Dringlichkeit des Themas. Vereinbarkeit müsse in all ihren Facetten gedacht werden, weit über die Kinderbetreuung hinaus. Sie verwies darauf, dass in Österreich jährlich rund 20.000 Menschen ihre Erwerbstätigkeit reduzieren oder ganz aufgeben, um Pflegeaufgaben zu übernehmen. Gleichzeitig werde das Thema in vielen Fällen noch nicht offen angesprochen, häufig aus Sorge, im beruflichen Umfeld als weniger belastbar wahrgenommen zu werden. Umso wichtiger sei es, Pflege als festen Bestandteil der betrieblichen Realität zu begreifen und entsprechende Maßnahmen strukturell zu verankern.

 

Pflege betrifft viele – und kommt oft unerwartet

Im anschließenden Podium diskutierten MMag. Sandra Brandstetter, MBA (Energie AG), Mag. Julia Stierberger (Kreuzschwestern Europa Mitte GmbH) sowie Mag. Nicole Traxler (Alles Clara gGmbH) gemeinsam mit Ministerin Bauer konkrete Lösungsansätze.

 

Ein zentrales Thema war die Tatsache, dass Pflege oft unerwartet eintritt und Betroffene kurzfristig vor großen organisatorischen und emotionalen Herausforderungen stehen. Unternehmen sind daher gefordert, rasch Orientierung, Struktur und Unterstützung niederschwellig zu bieten. Es wurde hervorgehoben, dass sowohl politische als auch betriebliche Maßnahmen dazu beitragen können, Sicherheit und Unterstützung zu bieten.

 

Zugleich wurde deutlich, dass die Zielgruppe pflegender Angehöriger nicht immer leicht erreichbar ist. Viele Betroffene würden ihre Situation lange nicht aktiv thematisieren, wodurch Unterstützungsangebote oft zu spät in Anspruch genommen werden.

 

Unternehmen als zentrale Akteure

Am Podium wurde anhand konkreter Beispiele aufgezeigt, welche Rolle Unternehmen bei der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf spielen können. Sandra Brandstetter (Geschäftsführerin Personalmanagement, Energie AG) erläuterte, dass bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt werden und diese kontinuierlich weiterentwickelt würden. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass Pflege nach wie vor ein Tabuthema sei und es daher Vertrauen und offene Kommunikationsräume brauche. Niederschwellige Zugänge, Vertrauen und kontinuierliche Sensibilisierung sind dabei entscheidend.

 

Auch aus Sicht von Julia Stierberger (Leiterin Personal & Unternehmenskultur, Kreuzschwestern Europa Mitte GmbH) wurde betont, dass eine unterstützende Unternehmenskultur entscheidend sei. Mit einem hohen Frauenanteil unter den Beschäftigten und langjähriger Erfahrung in der Vereinbarkeit – etwa durch einen bereits 1994 etablierten Betriebskindergarten – setzt das Unternehmen verstärkt auf individualisierte Arbeitszeitmodelle und offene Kommunikation. Führungskräfte spielen hierbei eine Schlüsselrolle: Sie müssen sensibilisiert werden, das Thema aktiv anzusprechen und Mitarbeitenden Raum zu geben, ihre Bedürfnisse zu äußern.

 

Darüber hinaus wurde unterstrichen, dass viele kleine Maßnahmen in Summe eine große Wirkung entfalten können und dass es wichtig sei, bestehende Angebote besser nutzbar zu machen.

 

Information, Vernetzung und digitale Unterstützung

Die Bedeutung von leicht zugänglichen Informationen und vernetzter Unterstützung wurde ebenfalls hervorgehoben. Digitale Angebote, wie die Online-Plattform Alles Clara, tragen dazu bei, Wissen zu bündeln und Betroffenen schnell und unkompliziert Zugang zu relevanten Informationen sowie psychosozialer Unterstützung zu ermöglichen und so Orientierung in einer oft überfordernden Situation zu schaffen. Gleichzeitig betonte Nicole Traxler (Managing Director, Alles Clara gGmbH), dass neben der Informationsvermittlung auch psychosoziale Unterstützung eine wichtige Rolle spielt.

 

Insgesamt zeigte sich, dass die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ein Zusammenspiel verschiedener Akteure erfordert - von Unternehmen über Politik bis hin zu sozialen Organisationen. Pflege wurde dabei als gesamtgesellschaftliche Aufgabe beschrieben, die nur gemeinsam bewältigt werden kann.

 

Gemeinsam Lösungen gestalten

Der Partnertag machte deutlich, dass es ein breites Bewusstsein für die Herausforderungen gibt, gleichzeitig aber weiterer Handlungsbedarf besteht. Flexibilität, Enttabuisierung und der Ausbau unterstützender Angebote wurden als zentrale Hebel identifiziert. Ebenso wurde die Bedeutung von Austausch und Vernetzung zwischen Unternehmen hervorgehoben.

 

Nicht zuletzt wurde unterstrichen, dass es für eine gelingende Vereinbarkeit oft ein ganzes Umfeld braucht, das Betroffene trägt und unterstützt - im beruflichen wie im privaten Kontext.

 

>> Falls Sie weitere Informationen zum Thema "Pflege & Beruf" benötigen, können Sie unseren "Praxisleitfaden - Pflege und Beruf vereinbaren" kostenlos nachlesen. 

 

 

Fotos des Partnertags (c) Harald Schlossko: 



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