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Kinderbetreuung

Um berufstätigen Eltern die Betreuungsaufgabe für ihre Kinder zu erleichtern, gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten, die seitens des Arbeitgebers zur Verfügung gestellt werden können. Auch seitens der Gemeinde ist das Kinderbetreuungsangebot ein wesentlicher Aspekt eines familienfreundlichen Lebensraums. Dabei ist es wichtig auf die Bedürfnisse und die jeweilige Lebenssituation der Einwohner/innen einzugehen und adäquate wie auch bedarfsgerechte Angebote und Öffnungszeiten anzubieten.

Häufig stellen die Öffnungszeiten der Kinderbetreuungsstätte oder auch die Wegstrecke dorthin eine Herausforderung für berufstätige Eltern dar, es sollte daher vom Unternehmen ein Angebot bereitgestellt werden, dass dem Bedarf der Mitarbeiter/innen entspricht. Denn das passende betriebliche Kinderbetreuungsangebot ist keine Frage der Unternehmensgröße, sondern der richtigen Planung. Dabei ist häufig auch die Zusammenarbeit und Vernetzung mit anderen Unternehmen und Institutionen von Vorteil, um effiziente Lösungen anzubieten.

 

Maßnahmenbeispiele

Betriebskindergarten: Manchmal ist die Errichtung eines Betriebskindergartens dessen Öffnungszeiten an die Arbeitszeiten der Eltern im Betrieb angepasst sind, die richtige Lösung. Hier kann die Bereitstellung der Räumlichkeiten beispielsweise durch das Unternehmen erfolgen, jedoch die Betreuung von einem externen Anbieter übernommen werden. Auch die Möglichkeit der Anstellung eigener Kinderbetreuer/innen und der selbständige Betrieb einer Betreuungsstätte im Betrieb ist natürlich eine Lösung. Oft empfiehlt es sich für größere Unternehmen aber auch, mit anderen Unternehmen im Umkreis oder auch der Gemeinde zusammenzuarbeiten. So können eine höhere Auslastungsrate sichergestellt, Koordinationsaufgaben aufgeteilt und Synergieeffekte genutzt werden.
Wie man die betriebliche Kinderbetreuung richtig plant, zeigt der folgende Überblick „10 Schritte zum Erfolg“.
 
Reservierung von Betreuungsplätzen: Viele Arbeitgeber stellen ihren Mitarbeiter/innen auch reservierte Plätze in nahegelegenen Betreuungseinrichtungen zur Verfügung. Dies bietet sich vor allem auch dann an, wenn das Unternehmen viele Außenstellen hat und daher ein zentraler Betriebskindergarten keinen Sinn macht.
 
Tagesmütter/-väter: können auch einen wesentlichen Beitrag zur Kinderbetreuung in der Gemeinde leisten und Familien in der tagtäglichen Bewerkstelligung des Familienlebens wie auch der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen. Die Koordination kann entweder von der Gemeinde initiiert und an eine externe Organisation abgegeben oder selbst übernommen werden.
 
Betriebstageseltern: So genannte Betriebstageseltern ermöglichen eine flexible Betreuung insbesondere für Kinder im Baby- oder Kleinkindalter. Die Kinder werden von Tagesmüttern/-vätern in einer familiären Situation altersgerecht betreut und versorgt.
Dabei kann die Kinderbetreuung unter bestimmten Voraussetzungen in geeigneten Räumlichkeiten des Betriebes durch Betriebstagesmütter/-väter erfolgen. Unternehmen können so an speziellen Tagen (Fenstertagen) oder zu vorab besprochenen Tageszeiten (z.B. immer nachmittags) Raum für die Betreuung der Kinder der Mitarbeiter/innen durch Betriebstageseltern bereitstellen, z.B. für die Nachmittagsbetreuung von Schulkindern.

Rechtlicher Tipp: Die Zuständigkeit für die Kinderbetreuung und damit auch die Regelung des Tageselternwesens liegt beim jeweiligen Bundesland. Kinderbetreuung kann in Kärnten, Oberösterreich, der Steiermark, Salzburg und Tirol unter bestimmten Voraussetzungen in geeigneten Räumlichkeiten des Betriebes durch Betriebstagesmütter/-väter erfolgen.

Die Voraussetzungen sind im Detail:
Kärnten: Persönliche Eignung und facheinschlägige Ausbildung, Bewilligung der Landesregierung, geeignete Räumlichkeiten, bis zum Ablauf des letzten Kindergartenjahres bzw. des Jahres in dem die Volksschule endet.
Oberösterreich: Persönliche Eignung und Ausbildung der Tagesmutter/des Tagesvaters, Bewilligung der Bezirksverwaltungsbehörde, geeignete Räumlichkeiten, max. 5 Kinder pro Tagesmutter/-vater bzw. max. 10 Kinder, wenn gleichzeitig nur max. 5 anwesend sind, max. 2 Betriebstagesmütter/-väter.
Salzburg: Persönliche Eignung und Ausbildung der Tagesmutter/des Tagesvaters, Bewilligung der Bezirksverwaltungsbehörde, geeignete Räumlichkeiten, bei ganztägiger Betreuung: 4 Kinder; bei nicht ganztägiger Betreuung: 6 Kinder, wenn zum Teil auch ältere Kinder betreut werden.
Steiermark: Persönliche Eignung und Ausbildung der Tagesmutter/des Tagesvaters, Bewilligung der Bezirksverwaltungsbehörde, geeignete Räumlichkeiten in den Betrieben (eigene Küche und WC sowie vollwertiges Badezimmer, Spiel- und Ruhemöglichkeiten über 30m2; ausreichende Freispielflächen oder öffentlicher Spielplatz in der Nähe), max. 4 Kinder von 0 Jahren bis zur Beendigung der Schulpflicht dürfen gleichzeitig von Betriebstagesmutter/-vater betreut werden, mindestens 2 Kinder von Mitarbeiter/innen; pro Standort höchstens 8 Kinder von zwei Betriebstagesmütter/-vätern in örtlich getrennten Räumlichkeiten.
Tirol: Persönliche Eignung und Ausbildung der Tagesmutter/des Tagesvaters, Bewilligung der Bezirksverwaltungsbehörde, geeignete Räumlichkeiten, max. 4 Kinder unter 12 Jahren bzw. max. 8 Kinder, wenn gleichzeitig nur max. 4 anwesend sind.
 
Ferienbetreuung: Für berufstätige Mütter und Väter mit betreuungspflichtigen Kindern stellen Ferienzeiten oft eine Herausforderung dar. Besonders während der langen Sommerferien können hier Betreuungslücken entstehen. Von Seiten des Arbeitgebers kann eigenständig ein Kinderbetreuungsangebot mit externen Anbietern zur Verfügung gestellt, externe Betreuungsplätze reserviert oder auch gemeinsam mit anderen Unternehmen oder der Gemeinde vor Ort eine Betreuungslösung organisiert werden. Wie und in welcher Form kommt immer auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter/innen sowie die Möglichkeiten des Unternehmens an. Dies reicht auch von einer kompletten bis hin zu einer teilweisen Kostenübernahme durch den Arbeitgeber. Die Angebotspalette an Sommerferienbetreuungsangeboten ist groß und reicht von Sommerkindergärten und -horten bzw. Tagesbetreuungen über Sport-, Kreativ-, Abenteuer-, Lern-, und Musikcamps bis hin zu Science-Camps sowie Camps für Kinder mit Beeinträchtigungen.

Auch Gemeinden können mit Ferienbetreuungsmöglichkeiten ein Angebot für berufstätige Eltern schaffen. Es bietet sich hier beispielsweise an, mit regionalen Unternehmen und/oder Nachbargemeinden zusammenzuarbeiten. Synergieeffekte können so genützt und die Organisationsarbeit aufgeteilt werden.
 
Kinderbetreuung am Bauernhof: Gerade im ländlichen Raum erhöhen flexible und dezentrale Möglichkeiten der Kinderbetreuung nicht nur den Handlungsspielraum berufstätiger Eltern, sondern auch die Lebensqualität und Attraktivität einer Gemeinde. Ein ganz besonderer Ort solcher Kinderbetreuungsangebote ist der Bauernhof. Ob Krabbelgruppe, [Wald]kindergarten, Ferienbetreuung oder die/der Tagesmutter/-vater am Bauernhof – mit dem Ausbau dieser Betreuungsangebote eröffnen sich für Eltern, Unternehmen sowie Gemeinden neue Gestaltungsspielräume und für Kinder ein ganz besonderer Bildungsort. Denn wo sonst lassen sich vergleichbare Erfahrungen mit der Natur, Tieren, Handwerk und gesunden Lebensmitteln machen wie auf einem Bauernhof – selbstverständlich begleitet und betreut von entsprechend qualifizierten Pädagoginnen und Pädagogen?

Mit dem Projekt Green Care – Wo Menschen aufblühen haben sich die österreichischen Landwirtschaftskammern (Verein Green Care Österreich) sowie das Bundesforschungszentrum für Wald (Green Care WALD) entschlossen, jene Bäuerinnen und Bauern zu unterstützen, die mit ihrer „Ressource Bauernhof“ soziale, pädagogische und gesundheitsförderliche Angebote entwickeln wollen. In Kooperation mit Sozialträgern und Institutionen entstehen so innovative Green Care-Projekte im ländlichen Raum, deren Qualität durch eine eigene Green Care-Zertifizierung gesichert ist.

Mehr zum Projekt Green Care – Wo Menschen aufblühen, Best Practice-Beispielen sowie der Green Care-Zertifizierung finden Sie unter: http://www.greencare-oe.at/
Alles zu Green Care-WALD finden Sie unter: http://bfw.ac.at/
 
Babysitterdienst: Bereits die Sammlung und Bereitstellung von Kontakten zu Babysittern im Intranet des Unternehmens oder auf der Homepage der Gemeinde stellt für viele berufstätige Eltern oft eine Erleichterung dar.
 
Punktuelle Kinderbetreuung: Bei (Abend-)Veranstaltungen, Weiterbildungskursen, bei Notfällen (z.B. Erkrankung des Kindes) oder auch an Zwickel- bzw. schulautonomen Tagen ist berufstätigen Eltern mit einer temporären Betreuungslösung meist sehr geholfen. Das Unternehmen und Gemeinden können hierbei auf die Unterstützung von Flying Nannies oder auch Tagesmüttern/-vätern zurückgreifen. Der Arbeitgeber kann hier die Betreuung für die Versorgung des Kindes/der Kinder zuhause oder auch in Räumlichkeiten des Unternehmens anbieten. Gemeinden wiederum können in Gemeischaftsräumen oder in eigenen Kinderbereichen im Rahmen von Veranstaltungen Kinderbetreuung anbieten.
 
Organisation von Oma-/Opa-Diensten: Hier können auch ältere Einwohner/innen aus der Gemeinde gerade in der Kinderbetreuung für die Familien in der Gemeinde, miteinbezogen werden. Die Koordination kann beispielsweise von der Gemeinde initiiert und gegebenenfalls auch langfristig übernommen werden. Für Unternehmen können hier Kooperationen mit Gemeinden eine sehr gute Möglichkeit sein, um ihren Mitarbeiter/innen ebenfalls einen Oma-/Opa-Dienst anbieten zu können.
 
Ausweitung des Kinderbetreuungsangebots: Ob durch die Ausweitung von Betreuungsplätzen, den Ausbau einer Krabbelstube oder die Ausweitung der Öffnungszeiten, den Ideen seitens der Gemeinde sind hier keine Grenzen gesetzt. Gut ist, was den Bedürfnissen der Einwohner/innen vor Ort entspricht.
 
Zuschuss zur Kinderbetreuung durch den Arbeitgeber: Seit 1. Jänner 2013 können Unternehmen ihren Mitarbeiter/innen für die Betreuung von Kindern unter 10 Jahren rückwirkend einen Zuschuss von bis zu EUR 1.000,- pro Jahr und Kind steuer- und sozialversicherungsfrei gewähren. Dafür ist Voraussetzung, dass die Kinderbetreuung entweder in einer öffentlichen Kinderbetreuungseinrichtung, einer privaten Kinderbetreuungseinrichtung, die den landesgesetzlichen Vorschriften entspricht oder durch eine pädagogisch qualifizierte Person erfolgt. Der Zuschuss wird dabei entweder direkt oder in Form von Gutscheinen, die bei Kinderbetreuungseinrichtungen eingelöst werden können an die Betreuungsperson bzw. an die Kinderbetreuungseinrichtung geleistet. Der Mitarbeiter, die Mitarbeiterin ist verpflichtet, dem Arbeitgeber darzulegen, dass die Voraussetzungen für einen solchen Zuschuss vorliegen und ob für das Kind/die Kinder von einem anderen Arbeitgeber ein solcher Zuschuss geleistet wird. Dabei ist die Sozialversicherungsnummer des Kindes/der Kinder anzugeben. Voraussetzung für die Inanspruchnahme des Arbeitgeberzuschusses zur Kinderbetreuung ist, dass der Mitarbeiter, die Mitarbeiterin für das betroffene Kind/er mehr als sechs Monate im Kalenderjahr den Kinderabsetzbetrag bezieht.


Weitere Informationen zu den Voraussetzungen finden Sie unter www.help.gv.at oder im Einkommenssteuergesetz (§ 3 Abs. 1 Ziffer 13 EStG), in der gültigen Fassung abrufbar unter www.ris.bka.gv.at.